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Spiridon-Halbmarathon eine Lehre in fünf Lektionen

Frankfurt, Sonntag, den 11. März 2018

Lektion 1: Der lange Lauf bis zum Start
Ein Halbmarathon beginnt viele Wochen vor dem Startschuss. Im Herbst des vergangenen Jahres ging sie rum in unserem Lauftreff die Frage, wer Lust hat, beim Spiridon-Halbmarathon in Frankfurt mitzumachen. Die Vorteile lagen auf der Hand: Niemand würde verreisen müssen, um teilzunehmen. Ein Heimspiel! Und Start wie auch Ziel waren das Frankfurter Waldstadion, und wann darf man dort als Normalsterblicher schon mal auch nur in die Nähe des Spielfelds? Letztlich hatten Angela, Thomas und ich Lust, uns auf das Abenteuer einzulassen. Angela und Thomas sind erfahrene Wettkämpfer. Auch ich bin schon zweimal Halbmarathon hinter gelaufen, aber das ist lange her. Wie würde ich der Belastung standhalten, jetzt, nachdem ich nach langer Pause seit gut zwei Jahren im Verein laufe? Die Antwort: Es ist Übungssache. Nach Neujahr nahmen wir unsere Winterlaufserie auf, das bedeutet, dass wir neben dem Lauf-ABC am Montag und dem Training am Dienstag und/oder Donnerstag auch sonntags laufen lange, oft ruhige Einheiten, erst 12, dann irgendwann 15 und mehr Kilometer. Zwei Wochen vor dem Halbmarathon waren es auch einmal 20, im eisigen Winterwind.

Tja, und irgendwann war er dann da, der Abend des 10. März. Morgen sollte es losgehen. Und leider fühlte ich mich nicht gut, eine Erkältung rückte an. Trotzdem entschloss ich mich, es zumindest zu versuchen. Und beging einen Anfängerfehler: Statt mich beizeiten hinzulegen, guckte ich einen aufwühlenden Film und konnte nicht einschlafen. Wie ein Schuljunge zum Ende der Sommerferien lag ich im Bett und zählte die Stunden, die ich nun nicht mehr schlafen würde.


Lektion 2: Nie zu schnell loslaufen!
Du siehst aber fertig aus, sagte Thomas zu mir, als wir am Sonntag in der VIP-Lounge des Stadions saßen. Wohlgemerkt sagte er das vor dem Start. Und recht hatte er, ich war sehr müde. Aber immerhin: Die Erkältung war nicht ausgebrochen. Wäre sie das, hätte ich mich wie alle beim Lauftreff an die Devise unseres Trainers gehalten: Wer krank ist, läuft bitte keinen Wettkampf!

Wir liefen uns kurz ein, und dann packte es mich, das Fieber: Immer mehr Menschen füllten den Startbereich, 6500 sollten es am Ende sein. Zeitversetzt erfolgte der Start in Blöcken, die sich nach angestrebter Zielzeit sortierten. Vor jedem Startschuss klatschen die Läufer sich Mut zu. Das lässt niemanden kalt. Auch ließ mich mitreißen und lief die ersten Kilometer in einem Schnitt von 5 Minuten und 10 Sekunden pro 1000 Meter. Damit würde ich deutlich schneller als die angestrebten 1:59:59 im Ziel sein; dafür würde ein 5:30er-Schnitt ausreichen. Ich merkte allerdings schnell: Dieses Tempo würde ich nie und nimmer halten können. Mein Puls war jenseits von 170 Schlägen und signalisierte mir: mach langsamer! Ab Kilometer 5 musste ich Angela ziehen lassen, Thomas lief ohnehin vor uns. Erst als die Strecke entlang des Mains verlief, fing ich mich wieder. Ich blickte immer wieder auf die Uhr und dachte: Sollte ich den Kilometer in 5:50 laufen, würde es vielleicht reichen.

Lektion 3: Anfeuerung hilft!
Am Main versuchte ich mir einzureden: Bestimmt steht meine Frau nicht mit den Kindern an der Strecke, das ist zu stressig mit den drei Kindern. Aber am Schweizer Platz sah ich sie, alle vier waren gekommen! Die Freude darüber trug mich sehr weit. Jedem, der sich fragt, ob er sich bei einem Lauf wirklich an die Strecke begeben soll, um Freunde, Partner oder auch nur alle andere Läufer anzufeuern, sei gesagt: Macht es! Es hilft wirklich, wenn man Mut zugeklatscht bekommt!

Lektion 4: It aint over till its over
Ab dem Schweizer Platz war es ein richtig schöner Lauf. Ich wunderte mich, worüber manche Läufer nach vielen Kilometern noch reden. Ganze Beziehungsprobleme scheinen auf so einer Strecke ausdiskutiert und ganze Geschäftsstrategien entworfen zu werden. Verrückt. Ich hätte mit niemandem mehr reden mögen, war mir selbst genug und stellte zunehmend erleichtert fest: Ins Ziel würde ich auf jeden Fall kommen. Ich überholte sogar immer öfter andere Läufer, es waren noch Reserven da. Und klar, der Verstand wird nicht verlernt haben, dass ein Halbmarathon genau 21,0975 Kilometer umfasst. Aber als ich das Stadion sah und dachte: juhu, endlich im Ziel! wischten die Emotionen dem Verstand einen aus. Ich zog schon bei Kilometer 20 an, erreichte wieder einen 5:30er-Schnitt und war sicher, nur noch ein Stückchen geradeaus laufen zu müssen, zack, fertig. Doch dann sah ich, dass das Stadion noch beinahe ganz zu umrunden war. Tja, dieser blöde Zusatzkilometer, den ich einfach vergessen hatte. Aber irgendwann war auch der geschafft.

Lektion 5: Auch wenn man allein läuft, ist es in der Gruppe schöner
Im Stadion fand ich Angela und Thomas, sie aßen Kuchen. Jeder war für sich allein gelaufen. Aber trotzdem irgendwie ja doch zusammen. Und das ist auch gut so. Auf dem gemeinsamen Heimweg kann man alles Revue passieren lassen. Und durch die langen Vorbereitungsläufe kennt man sich ja auch ganz gut. Ganz allein nach so einem Lauf von Dannen ziehen zu müssen nein, das wäre nichts mehr für mich. Bestimmt kommen wir mal wieder!

Unsere Zeiten vom Turnverein Kalbach 1890 e.V.:
Thomas Coelho 1:55:25
Angela Löwe: 1:56:15
Nils Husmann: 2:05:12

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